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Beschuldigter einer Straftat zu sein, ist für die Meisten gar nicht vorstellbar. Leider geschieht es jedoch leichter, als viele denken. Denn es kann genügen, aus Unachtsamkeit vergessen zu haben,  im Bus einen Fahrschein zu lösen oder diesen zu entwerten, und schon wird man des „Schwarzfahrens“ verdächtigt. Ein eskalierter Streit mit den Nachbarn kann zu gegenseitigen Strafanzeigen führen, ein Glas auf der Party zu viel getrunken und dann mit dem Auto nach Hause gefahren, schon ist eine Straftat verwirklicht. Tatsache ist, dass sich faktisch jeder schon einmal strafbar gemacht hat. Die meisten dieser „Kleinigkeiten“ bleiben jedoch unentdeckt und damit auch straflos.

Was aber tun, wenn man doch einmal erwischt wurde oder viel schlimmer, wenn man unschuldig einer Straftat verdächtig ist? Auch wenn man sich selbst im Recht wähnt oder die Angelegenheit als Bagatelle ansieht, so sollte man einen solchen Vorwurf niemals auf die leichte Schulter nehmen. Die strafrechtlichen Konsequenzen einer Verurteilung sind oft gravierender als man annimmt.

Das Wichtigste ist: Geben Sie niemals irgendwelche Erklärungen zur Sache gegenüber der Polizei oder der Staatsanwaltschaft ab! Nennen Sie nur Ihre Personalien! So lächerlich Ihnen die Angelegenheit auch erscheinen mag, eine einmal abgegebene Erklärung lässt sich nicht oder nur sehr schwer widerrufen und in der Aufregung und der Drucksituation einer Vernehmung kann es leicht passieren, dass Sie sich in Widersprüche verstricken.

Sie sind nicht verpflichtet, den Ermittlungsbehörden in irgendeiner Weise bei den Ermittlungen gegen Sie behilflich zu sein. Der Verteidiger kann Einsicht in die Ermittlungsakte nehmen, in der zum Beispiel Zeugenaussagen und Ermittlungsergebnisse der Polizei stehen. Nur mit diesen Informationen ist eine sachgerechte Verteidigung möglich. Die Entscheidung, ob Sie eine Erklärung zur Sache abgeben oder nicht, muss anhand eines jeden Einzelfalles gemeinsam mit Ihrem Verteidiger getroffen werden. Schweigen ist kein Schuldeingeständnis, sondern kann eine sinnvolle Verteidigungsstrategie darstellen.

Auch für das Opfer einer Straftat kann es sinnvoll sein, sich anwaltliche Unterstützung zu holen, denn in bestimmten Fällen kann die Zulassung als Nebenkläger beantragt werden. Wird die Nebenklage zugelassen, ist das Opfer damit Prozessbeteiligter, darf an dem Prozess von Anfang an teilnehmen und hat sämtliche Rechte, die auch jeder andere Prozessbeteiligte, wie der Staatsanwalt oder der Angeklagte hat. Der Angeklagte muss die Kosten der Nebenklage im Falle der Verurteilung tragen. Wird der Angeklagte freigesprochen, kann die Nebenklage Rechtsmittel (Revision oder Berufung) einlegen. Die Nebenklage ist aber nicht berechtigt Berufung oder Revision einzulegen, wenn es ausschließlich um eine höhere Bestrafung geht.